Ende Mai schliesst Marisa Frick den Spielwarenladen «Salamander» in Mellingen – nach 25 Jahren mit Höhen und Tiefen.

Ob das Legespiel «Azul», das Memory-Spiel «Schwiizerdüütsch-Deutsch», der Zauberwürfel «Rubik», Familien-Puzzles oder eine Alpengeläut-Rassel: Das Spielwarengeschäft «Salamander» in der Mellinger Altstadt hat für Jung und Alt das passende Spiel parat. Rund 3500 Artikel hält Marisa Frick in ihrem Laden an der Grossen Kirchgasse. «Die kommen nicht von ungefähr», sagt sie und lacht.

Seit 1994 führt Marisa Frick ihr Geschäft. In dieser Zeit passte sie ihr Angebot stets an: Sie besuchte Spieleanlässe von Lieferanten, beobachtete das Einkaufsverhalten der Kunden und hielt Ausschau nach Trends. Sie warf alte Spiele aus dem Sortiment, bestellte neue, nahm zusätzlich Geschenkartikel auf und eröffnete 2008 einen Online-Shop. «Dabei war mir immer wichtig, dass ich über die Spiele, die ich verkaufe, auch Bescheid weiss.»

Doch nun, im 25. Jubiläumsjahr, ist für sie der Zeitpunkt gekommen, um kürzerzutreten: Ende Mai wird sie den «Salamander» schliessen. Anstelle dessen wird ab Juli ein neues Gewerbe starten. «Ich gebe nicht mit Freude auf. Denn die Arbeit hat mir immer sehr viel Spass gemacht. Ich mochte den Kontakt mit den Kunden, vor allem mit den Kindern», sagt die gelernte Bankkauffrau und zweifache Grossmutter. Frick blickt zufrieden auf die Jahre zurück: «Ich hatte viele treue Kunden.» Sie hielten auch zu ihr, als Frick im letzten Jahr entschied, nicht mehr so viel Zeit in den Laden zu investieren und die Öffnungszeiten von sechs Tagen auf zwei Tage die Woche zu reduzieren.

Mit Secondhand-Kleidern gestartet

Was war es, das Marisa Frick dazu bewegte, einen eigenen Spielwarenladen zu eröffnen? Den Entscheid fasste sie, als ihr jüngster Sohn in den Kindergarten kam. «Ich liebte es, für meine Kinder und für den Haushalt zu sorgen», erinnert sich die 63-Jährige. «Doch ich wollte gerne auch etwas Eigenes machen.» Für ihre Geschäftsidee liess sie sich von den Kinderkleiderbörsen inspirieren, die es damals zuhauf gab und die florierten. So lagen im «Salamander» denn auch zu Beginn Secondhand-Kleider in den Regalen. «Als Ergänzung führte ich für Mädchen und Buben einige wenige, neue Spielwaren.» Darunter befanden sich unter anderem die Plüschtiere der «Diddl»-Maus und das «Magic the Gathering»-Sammelkartenspiel, die bei ihren Söhnen und anderen Kindern am Aufkommen waren.

Und genau diese beiden Produkte waren es letztlich, die Frick dazu brachten, sich ausschliesslich auf Spielwaren zu spezialisieren. «Sie haben mir zu Bekanntheit verholfen», sagt sie und erklärt: «Die Grossverteiler führten sie zu jener Zeit noch nicht im Sortiment, nur vereinzelte kleine Läden wie meiner.»

«Pokémon»-Turniere organisiert

Nach dem Durchbruch vergrösserte Marisa Frick ihr Angebot, ersetzte die Secondhand-Kleider durch Spielwaren und neue Kinderkleider. «Salamander» wurde zu einem beliebten Treffpunkt in der Region. Dazu trugen auch die Turniere für Kinder und Jugendliche bei, die sie im Laden organisierte und an denen unter anderem «Magic the Gathering» und «Pokémon» gespielt wurde. Die Geschäfte liefen viele Jahre zufriedenstellend, bis die Grossverteiler ihr Sortiment an Spielwaren merklich ausbauten und der Online-Handel Fuss fasste. «Die Krux liegt darin, dass Privatpersonen im Internet von ausländischen Plattformen Spiele kaufen können, ich aber bei Lieferanten in der Schweiz bestellen muss, die ihre Waren grundsätzlich zu höheren Preisen verkaufen», erklärt Frick.

Nicht immer sei es einfach gewesen, der Konkurrenz standzuhalten, gibt sie zu. Doch dadurch, dass Fricks Laden rascher auf neue Trends reagierte als Grossverteiler und die Mellingerin im Internet Spiele-Raritäten anbietet, die in gewöhnlichen Online-Shops nicht zu finden sind, konnte sich der «Salamander» über die Jahre hinweg behaupten. Zudem war Marisa Frick nicht abhängig vom Einkommen, das mit dem Spielwarenladen erzielt wurde.

Da sie und ihr Mann nun beide im Pensionsalter sind, möchte Frick mehr Zeit für die Familie haben. «Ich fühle mich noch jung und habe Lust, mich anderweitig zu engagieren», sagt sie. Sie freue sich, künftig weniger Verpflichtungen zu haben und auf gemeinsame Ausflüge mit ihrem Mann im Reisemobil.

Bevor es in die Ferne geht, bedient Marisa Frick in den nächsten vier Monaten weiterhin ihre Kundschaft. «Ende Mai werde ich wohl das eine oder andere Tränchen vergiessen», sagt sie und lächelt nachdenklich.

Artikel erschienen am 4. Februar 2019 im “Badener Tagblatt”

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