Städteranking 2016: Ein Vergleich zwischen Aarau und Baden, Quelle: Wüest & Partner, Grafik: MTA/MontageDie Bäderstadt fällt aus den Top Ten des Städteranking – und wird von der Kantonsrivalin überholt. Wie reagieren die Behörden?

Das ist doppelt bitter: Baden ist nicht nur im neusten Städteranking des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» aus den Top Ten geflogen, sondern wurde gleich auch noch von Aarau überholt. Während die Kantonsrivalin im Vergleich zum Vorjahr ganze fünf Plätze wettgemacht hat und neu an sechster Stelle liegt, ist es bei der Bäderstadt genau umgekehrt: Sie verliert deren fünf und muss sich im Ranking der attraktivsten Schweizer Städte mit Rang 12 begnügen (siehe Grafik).

«Grundsätzlich ist es erfreulich, dass Baden so weit vorne liegt», sagt Ruth Müri, Stadträtin (team) und Vorsteherin des Standortmarketings. Dass Aarau gegenüber Baden Plätze gutgemacht hat, nimmt sie sportlich: «Es ist schön, dass zwei Aargauer Städte im Ranking vorne liegen». Das beweise, dass Aarau und Baden auch im Vergleich zu Grossstädten als Wohnort attraktiv seien. Bei Stadtammann Geri Müller ist von Rivalität ebenfalls nichts zu spüren: «Ich gratuliere den Aarauern von Herzen zu diesem Sprung! Baden und Aarau halten seit Jahren in den vordersten Rängen mit, jetzt sind sie vorne, vorher war es Baden.»

162 Städte wurden für Ranking bewertet

Das am Freitag publizierte Städteranking hat die «Bilanz» in Zusammenarbeit mit der Beratungsfirma Wüest & Partner zum achten Mal erstellt. Getestet wurde die Lebensqualität von 162 Schweizer Städten. Die Bewertung erfolgte anhand von elf unterschiedlichen Themenindikatoren. Diese gehen von Arbeitsmarkt über Bildung und Erziehung bis hin zu Steuerattraktivität, Kultur und Freizeit sowie Mobilität und Verkehr. Die massgebenden Indikatoren wiederum setzen sich aus verschiedenen Variablen zusammen: So kommt es etwa bei «Kultur und Freizeit» auf das Verhältnis von Anzahl Personen zum Angebot an, bei «Sicherheit» auf die Straftaten pro 1000 Einwohner.

Dass Baden nicht mehr in den Top Ten ist, sei nicht alle Welt, sagt Isabel Häberling von Wüest & Partner. «Auch das neuste Ranking zeigt, dass die Lebensqualität in Baden sehr hoch ist.» Die Unterschiede seien in den obersten Tabellenrängen sehr minim. Kleine Veränderungen reichen, damit eine Stadt die andere überhole. Zudem würden sich die Ränge auch verändern, wenn neue Städte hinzukommen. «Das ist in den letzten Jahren geschehen, da immer mehr Gemeinden zu Städten wurden», erklärt Häberling.

Immobilienexperte: «Bemerkenswerter Aufstieg»

Angeführt wird das Städteranking 2016 – wie in den vergangenen vier Jahren – von Zürich und Zug. Obwohl die Spitzenplätze immer wieder von denselben Städten belegt werden, gibt es Überraschungen, wie das Beispiel Aarau zeigt (siehe Kontext unten). Immobilienexperte Patrick Schnorf von Wüest & Partner spricht von einem «bemerkenswerten Aufstieg».

Hat Aarau, nachdem sich die Stadt in den letzten Jahren mit Baden ein stetiges Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatte, endgültig überholt? «Klar, Aarau ist die Überfliegerin in diesem Jahr», sagt Isabel Häberling. Doch auch Rang 12 für Baden sei «alles andere als schlecht». Zudem habe die Bäderstadt in gewissen

«Baden und Aarau halten seit Jahren in den vordersten Rängen mit, jetzt sind sie vorne, vorher war es Baden.»

Geri Müller Stadtammann

Themen Plätze gutgemacht, beispielsweise in der Kategorie «Kultur und Freizeit», wo Baden den ersten Rang belegt. «Das zeigt uns, dass Baden ein äusserst vielfältiges Kulturangebot hat», sagt Stadträtin Ruth Müri.

Sowohl Müri als auch Müller glauben an die Attraktivität der Stadt. Baden könne mit dem Bau des Botta-Bades in Zukunft einige Ränge gutmachen, sagt Müri. Auch der Stadtammann ist zuversichtlich: Baden sei gut unterwegs. Es setzte die grossen Projekte gemäss Legislaturzielen um und sei gleichzeitig daran, neue Entwicklungen aufzugleisen. «Baden hat es geschafft, den Haushalt so zu durchkämmen, dass es in seiner Attraktivität nichts eingebüsst hat.»

 

Der Kantonshauptort zieht in die Top Ten der attraktivsten Schweizer Städte

In Aarau ist unzweifelhaft die «Erntezeit» angebrochen, wie die «Bilanz» treffend schreibt. Der Wakker-Preis 2014 war der Auftakt dazu. Gut möglich also, dass sich der Wandel, den die Stadt in den letzten zehn Jahren durch- gemacht hat, nun in den Zahlen von Wüest & Partner niederschlägt. «Wir fanden uns natürlich schon immer gut», sagt Daniel Lüscher, der neue Präsident von Aarau Standortmarketing, «Aber nun können wir guten Gewissens sagen: Wir leben in einer tollen Stadt.» Lüscher ist optimistisch, dass sich Aarau nicht auf den Lorbeeren ausruhen wird. Es sei noch viel Neues im Tun und auch wenn die Stadt momentan auf die Sparbremse steht, werde der positive Groove anhalten. «Dass grosse Projekte die Kasse einer Stadt mal überfordern, dafür habe ich Verständnis. Es muss nicht alles sofort kommen. Und der Wandel muss auch von privater Seite gefördert werden.» (kus)

 

Artikel erschienen am 7. Mai 2016 im «Badener Tagblatt»

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