Für kostenlose Dienste wie Suchmaschinen und soziale Netzwerke geben Konsumenten bereitwillig persönliche Daten her. Doch was passiert eigentlich mit den Spuren, die tagtäglich milliardenfach hinterlassen werden?

Manchmal geben wir sie bewusst preis, manchmal unbewusst – und manchmal haben wir keine andere Wahl, als sie offenzulegen. Sie, das sind die persönlichen Daten. Sei es beim Einkaufen in der Migros, beim Schreiben einer Whatsapp-Nachricht oder beim Hochladen von Dokumenten auf Dropbox: Bewegen wir uns im Alltag, ist es fast unmöglich, keine Spuren zu hinterlassen.

Auch Michaela gibt viel von sich preis – obwohl die Solothurnerin nicht mit digitalen Technologien aufgewachsen, also kein Digital Native ist. An einem einzigen Tag, an dem die 51-Jährige sowohl gearbeitet als auch gehaushaltet hat, haben ihre persönlichen Daten über 40’000 Kilometer zurückgelegt. Gemeinsam mit den Spuren Millionen anderer Konsumenten ist ihr digitales Ich bei verschiedensten Unternehmen gelandet – in der Schweiz, in Europa, in aller Welt. Michaela hat ihre Anwesenheit an jenem Tag vor allem nach Kalifornien gemeldet. Ins Silicon Valley, wo viele der Internetunternehmen wie Google, Facebook und Dropbox angesiedelt sind.

Die meisten Firmen sammeln und werten die persönlichen Daten aus: Um ihre Produkte und Dienstleistungen zu verbessern sowie Geschäftsabläufe effizienter zu gestalten. Zudem werden Nutzerinformationen gesammelt, analysiert und gespeichert, um Kosten zu reduzieren und mehr verkaufen zu können.

Daten sollen 30 Billionen Dollar wert sein

Jaron Lanier, Informatiker und schärfster Kritiker der digitalen Ökonomie sagt: „Den Verbrauchern werden ‚kostenlose’ Dienste angeboten (etwa Suchmaschinen und soziale Netzwerke), wenn sie sich dafür ausspionieren lassen.“ Eine erstaunliche Anzahl Menschen würde über Netzwerke eine erstaunliche Menge an Wert produzieren, so Lanier. „ Doch der Löwenanteil des Vermögens geht heute an diejenigen, die diese Daten sammeln und kanalisieren, anstatt an jene, die den ‚Rohstoff’ liefern“, schreibt er in seinem Buch „Wem gehört die Zukunft?“

Gemäss der Boston Consulting Group (BCG), eine der weltweit führenden Unternehmensberatungen, sollen die persönlichen Daten aller Europäer im Jahr 2020 rund eine Billion Dollar wert sein. „Der Grund, warum persönliche Daten immer wertvoller werden, ist der, dass sie den Rohstoff für die automatisierten oder hypereffizienten Systeme liefern und es immer mehr von diesen Systemen gibt“, sagt Jaron Lanier.

Dadurch werden auch neue Fragen aufgeworfen. Welche und wie die Gesellschaft persönliche Daten in Zukunft handhaben könnte, erklärt Ökonom und Autor Joël Luc Cachelin im folgenden Audiobeitrag.

 

–  Multimedia-Arbeit DAJ 2014/2016, erarbeitet im November/Dezember 2015.

–  Meine Diplomarbeit DAJ 2014/2016 finden Sie unter den Links: Haupttext und Interview.


Buchempfehlungen zum Thema:

– “Was Google wirklich will”, Thomas Schulz

– “The Filter Bubble”, Eli Pariser

– “Schattenzeitalter”, Joël Luc Cachelin

– “Das Kapital bin ich”, Hannes Grassegger

– “Wem gehört die Zukunft?”, Jaron Lanier

– “Die Überwacher”, Le monde diplomatique, N°16 2015

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