Die Nachfrage nach der braunen Bohne steigt weltweit an. Das treibt die Preise in die Höhe, photo taken by cesDer Schoggi-Konsum soll in diesem Jahr die Produktion übersteigen. Und Ghana, neben der Elfenbeinküste der grösste Kakao-Anbauer weltweit, steht vor einem Ernteeinbruch. Der Rohstoffengpass und die steigende Nachfrage treiben die Preise in die Höhe.

Schaumig ist sie, die Luftschokolade. Damit sie diesen weichen Biss erhält, wird bei der Herstellung normalerweise Luft oder ein anderes Gas eingebracht. Das ist heute aber nicht mehr nötig. Die Schoggi hebt von alleine ab – oder zumindest ein Teil davon: der Kakao. Der Preis für den Rohstoff ist innerhalb von zwei Jahren von rund 1600 auf 3000 Euro pro Tonne geschnellt.

Die Branche rechnet damit, dass die Bergfahrt nicht zu Ende sein wird. Zumal Ghana, neben der Elfenbeinküste der wichtigste Kakao-Produzent der Welt, vor einem Ernteeinbruch steht: Die Dürre setzt den Kakaobäumen zu, die Chancen, dass die Pflanzer nicht genug Rohstoffe liefern können, sind hoch.

Konsum übertrifft Nachfrage

Die internationale Kakao-Organisation (ICCO) geht davon aus, dass Ghana in diesem Jahr ein Fünftel unter dem Produktionsziel liegen, also nur 700 000 Tonnen Kakao liefern wird. Damit nicht genug. Auch die Nachfrage wächst stetig: Der Konsum soll in diesem Jahr die Produktion um 38 000 Tonnen übersteigen, schätzt die ICCO.

Vor allem die Asiaten sind es, die es immer mehr auf die braune Masse abgesehen haben. Gemäss Branchenkennern wird die Nachfrage nach Schokowaren in Asien bis 2025 um jährlich acht Prozent steigen. Jürgen Steinemann, Chef von Barry Callebaut, spricht in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» von «Furcht im Zusammenhang mit einer Knappheit von Kakao ab 2020». Der Schweizer Schokoladekonzern Barry Callebaut ist die Nummer eins im Kakao-Geschäft und steckt hinter jedem fünften Schoggi-Produkt, das auf der Welt vernascht wird.

Teurere Haselnüsse für Ragusa

Der Rohstoffengpass zieht auch Spekulanten an. Das wiederum lässt die Preise in die Höhe schnellen. Wie reagieren die Schokoladenhersteller darauf? Der Schweizer Schoggi-Produzent Lindt & Sprüngli etwa musste bereits im Vorjahr gewisse Produkte verteuern. Doch auch im ersten Halbjahr 2015 sind die Preise punktuell erhöht worden, teilt das Unternehmen mit Sitz in Kilchberg ZH mit. Dafür konnte es bei einigen Importartikeln die Preise senken: Knapp 20 Prozent der Lindt-Endprodukte, die auf dem Schweizer Markt angeboten werden, stammen von Schwestergesellschaften aus dem Euro-Raum – und können somit billiger importiert werden.

Die Migros kann nicht ausschliessen, dass die Preise weiter erhöht werden.

Für Lindt & Sprüngli sei aber nicht nur der massive Anstieg des Kakao-Preises kritisch, sondern auch derjenige von Mandeln und Haselnüssen. Letzterer Preis hat sich seit Anfang 2014 fast verdreifacht. Dies aufgrund einer Missernte in der Türkei, von wo 80 Prozent der weltweit gehandelten Haselnüsse herkommen, erklärt Regula Gerber, Medienverantwortliche von Camille Bloch. Das ist insofern relevant, weil für die Schokoladelinie Ragusa grosse Mengen an Haselnüssen benötigt werden. «Unser Einkaufsleiter befindet sich momentan in der Türkei, um neue Verträge auszuhandeln», sagt Regula Gerber.

Sowohl Camille Bloch als auch Lindt & Sprüngli beobachten die Entwicklung der verschiedenen Rohstoffpreise genau. Sollte sich die Situation in den nächsten Monaten nicht normalisieren, so könnten die beiden Schoggi-Produzenten Preiserhöhungen ins Auge fassen.

Tafeln sind geschrumpft

Und wie reagieren die Schweizer Detailhändler auf das Marktungleichgewicht? Coop gibt sich bedeckt: Je nach Marktverhältnissen könne es zu Preisanpassungen kommen, lässt Mediensprecher Urs Meier verlauten. Konkreter ist die Migros. Seit 2014 hat das ganze Sortiment der Frey-Schokolade eine Preiserhöhung von rund fünf Prozent erfahren. Wobei man nicht die ganze Verteuerung auf die Produkte übertragen habe, sagt Mediensprecherin Monika Weibel. Die Migros könne nicht ausschliessen, dass die Preise weiter erhöht werden. Mit anderen Worten: Dass die Schoggi teurer wird.

Mars prüft Preise im nächsten Jahr

Auch die internationalen Produzenten haben auf die Bergfahrt reagiert. Cadbury hat bereits vor einigen Jahren Massnahmen getroffen: Der britischstämmige Schokoladenhersteller produziert jetzt kleinere Tafeln – zum selben Preis, versteht sich. Die steigenden Kosten konnten nicht mehr länger in den Tafelpreisen aufgefangen werden, heisst es vonseiten Cadburys. Und der amerikanische Schokoriegelproduzent Mars Chocolate will im nächsten Jahr seine Preise auf den Prüfstand stellen.

Artikel erschienen am 29. Juni 2015 in der Aargauer Zeitung/Nordwestschweiz

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