Fredy Hiestand denkt ans Aufhören - wirklich? photo taken by az Aargauer Zeitung/Chris IseliFredy Hiestand schaffte es zweimal, mit Gipfeli und Broten Millionenumsätze zu generieren. Nun denkt der Tüftler ans Aufhören – noch mag man es ihm nicht ganz glauben.

Ein Stern mit einem Gipfeli-Symbol und dem Namen Fredy Hiestand ist im Boden eingelassen. So, wie Filmstars auf dem berühmten «Walk of Fame» in Hollywood verewigt werden. Wer den Produktionsbetrieb von Fredy’s Backwaren in Baden besucht, läuft unweigerlich über diesen Stern.

Wer aber denkt, der Erfolg sei Fredy Hiestand zu Kopf gestiegen und er hätte sich selbst ein Denkmal gesetzt, der irrt. «Den Stern haben mir meine Mitarbeiter zum Siebzigsten geschenkt», sagt der «Gipfeli-König» und lacht. Der Händedruck des 72-jährigen Bäckers ist kräftig, die Begrüssung herzlich. Sein Sohn Oliver, der die Produktion und die Logistik von «Fredy’s» leitet, tischt eine Auswahl von Gipfeli und Brötchen auf. Der Unternehmer strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus.

Nachdem er im Februar einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall erlitten hat, geht es ihm gesundheitlich wieder gut. Auch sein 2003 gegründeter Bäckereibetrieb «Fredy’s» läuft rund: Coop, Migros und die Confiserie Sprüngli zählen zu den Abnehmern, 120 Mitarbeiter sind beschäftigt, 26 Millionen Franken Umsatz wurden im vergangenen Jahr erwirtschaftet.

Zweistelliges Wachstum war Ziel

«Heute bin ich zufrieden, wenn wir jährlich fünf Prozent wachsen», sagt Hiestand und beisst in ein Gipfeli. Das war nicht immer so: 1988, als ihm mit vorgegarten, tiefgekühlten Teiglingen der internationale Durchbruch gelang, musste es ganz nach seinem Vorbild Reinhold Würth, dem Inhaber der Würth-Gruppe, gehen. «Wenn er mit Schrauben jährlich zwanzig Prozent wachsen kann, dann kann ich das mit Gipfeli auch», sagte sich der Geroldswiler damals. Und es gelang: Seine Hiestand AG wuchs von Jahr zu Jahr. Eröffnete Produktionsstätten in Deutschland, Polen, Japan und Malaysia. 1997 ging das Unternehmen mit 100 Millionen Franken an die Börse. Fünf Jahre später belieferte Hiestand jede zweite Bäckerei in der Schweiz. Der Umsatz wuchs auf 300 Millionen Franken.

«Mit Brot lässt sich nicht mehr einfach Geld verdienen.»

Fredy Hiestand, «Gipfeli-König»

Obwohl man ihn längst nur noch «Gipfeli-König» nannte, blieb er im Herzen ein Tüftler. Einer, der mit weissem Übergwändli und Haarnetzli an neuen Kreationen arbeitete, die Mitarbeitenden bei Projekten unterstützte und in der Produktion regelmässig nach dem Rechten sah. «Ich packe gerne an. Heute noch», sagt Fredy Hiestand und kaut das Gipfeli fertig.

Sein bodenständiger Führungsstil passte jedoch nicht zum damaligen Börsenumfeld, die Konzernleitung stand unter Druck. «Als hemdsärmliger Typ war ich nicht der Garant für maximale Gewinne», sagt er rückblickend. Hiestand beschloss, 2002 aus dem Verwaltungsrat auszutreten und mit rund 10 Millionen Franken Eigenmitteln neu zu starten. Es war keine einfache Zeit: «Ich bekam ein fünfjähriges Konkurrenzverbot auferlegt. Für Produkte, die ich kreiert habe», sagt er.

Seine Buttergipfeli waren tabu, also konzentrierte er sich auf Brote aus Schweizer Vollkornmehl und mit Weizenkeimen. Doch die Zeiten haben sich geändert. «Mit Brot lässt sich nicht mehr einfach Geld verdienen», so Hiestand. Selbst Discounter wie Aldi und Lidl böten heute frische Backwaren an. Bei Nischenprodukten, zum Beispiel Brote mit einem Mehrwert, sei aber noch Wachstumspotenzial vorhanden.

Betrieb bleibt in Familienhand

Trotz aller Freude fürs Backen. Fredy Hiestand denkt ans Aufhören. Es falle ihm heute viel leichter, auch mal zu Hause zu bleiben, Zeit mit seiner Frau zu verbringen und aus garteneigenem Gemüse eine Suppe zu kochen, sagt er. Die Nachfolge von Fredy’s Backwaren wäre auf alle Fälle schon geregelt. Mit Oliver Hiestand, der genau wie der Vater das Bäckerhandwerk gelernt hat, bleibt der Betrieb in Familienhand.

«Oliver wird aber nie Geschäftsführer sein», merkt Fredy Hiestand an. Um das gleich aufzulösen: «Ich war das auch nie.» Er hätte genug in der Produktion zu tun gehabt und sich nicht noch mit Papierkram oder Businessplänen auseinandersetzen wollen. Das würden andere besser können. «Wir backen dafür gute Brötchen.»

Artikel erschienen am 13. Juni 2015 in der Aargauer Zeitung/Nordwestschweiz

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