Das traditionelle Schuhaus Bata schliesst anfangs Juli ihren Flagship-Store an der Bahnhofstrasse in Zürich. Laut eigenen Angaben will das Familienunternehmen den Online-Verkauf stark ausbauen. Handelsexperte Chris Bücker über die Gründe und wohin dieser Trend führen wird.

Warum verlagern Unternehmen wie Bata ihr Geschäft ins Internet?

Chris Bücker: Der Konsument ist heute allwissend. Er geht in einen Laden und hat oftmals bereits feste Vorstellungen, welches Produkt er kaufen möchte. Er recherchiert im Internet, schaut sich das Sortiment an und trifft vielleicht sogar seine Wahl. Früher ging der Kunde in den Laden und liess sich erst vom Verkäufer beraten.

Nicht mehr der Verkäufer hat die Macht, sondern der Konsument.

Ja. Darauf müssen sich die Detailhändler einstellen. Dem Konsumenten ist es heutzutage egal, wo und wie er ein Produkt kauft. Er hat ein Bedürfnis, das er bequem und zu einem für ihn vernünftigen Preis befriedigen will.

Der Erfolg von Online-Händlern wie Zalando zeigt: Die Konsumenten ziehen es vor, die Waren im Internet zu kaufen – sie können es ja wieder zurückschicken!

Traditionelle Detailhändler haben es heute schwer gegen reine Online-Händler. Doch diese sogenannten «pure Players» kämpfen ebenso, rentabel zu arbeiten. Preislich gesehen sind sie zwar heute noch oft im Vorteil, dennoch haben auch sie ihre Probleme. Etwa mit den Retouren. Die Leute kaufen mehrere Artikel, zuletzt behalten sie nicht selten nur ein Produkt – wenn überhaupt. Den Rest schicken sie zurück. Häufig belaufen sich Retouren auf über 50 Prozent.

Puristen haben Mühe. Was funktioniert denn überhaupt noch?

Händler müssen sich so organisieren, dass sie den Kunden über alle Absatzkanäle ansprechen. Im stationären, traditionellen Laden, im Internet oder über die sozialen Medien. Und zwar nahtlos aufeinander abgestimmt. Immer wichtiger werden hier die mobilen Geräte wie Smartphones und Tablets.

Kaufen alle online ein, wird es die traditionellen Läden bald nicht mehr geben.

Doch. Geschäfte werden weiterhin existieren. Denn in die Stadt zu gehen, unter Menschen zu sein, ist und bleibt ein Ereignis.

«Lädele» statt einkaufen?

Es wird zwar weniger Läden geben, das ist richtig. Aussterben werden die Geschäfte trotzdem nicht. Sie ändern sich. In Zukunft wird die Ladenfläche kleiner und nicht mehr mit dem ganzen Sortiment bespickt sein. Die Konsumenten gehen in die Geschäfte, weil sie dort etwas erleben wollen. Etwas, was ihnen das Internet nicht geben kann. Bedienung, kompetente Beratung, vielleicht eine Erfrischung, einen Snack, Neuigkeiten aus erster Hand. Denken Sie nur an Ikea. Die Leute gehen hin, auch wenn sie nichts brauchen. Indem Detailhändler ihren Laden zu einem Erlebnisort machen, stärken sie gleichzeitig ihre Marke.

Die Leute kaufen auch im Internet, weil es günstiger ist.

Auch das ändert sich. Wir sehen, dass erfolgreiche Detailhändler, die ihre Produkte über verschiedene Vertriebskanäle verkaufen, zunehmend auf einen einheitlichen Preis setzen.

Interview erschienen am 4. Mai 2015 in der Aargauer Zeitung/Nordwestschweiz

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