95 Prozent der Trisa-Zahnbürsten gelangen in den Export, photo taken by cesDas Familienunternehmen Trisa erwirtschaftete 2014 einen Rekordgewinn. Die Aussichten für das laufende Jahr sind aber verhalten.

Der Koffer ist gefüllt mit Zahnbürstchen: Weisse, rote, gelbe, grüne, blaue. Das Älteste stamme aus dem frühen 20. Jahrhundert, sagt Adrian Pfenniger. Der Chef des Zahnbürstenherstellers Trisa zeigt auf ein weisses Modell. Der Griff ist aus Elfenbein, der Kopf mit vielen Schweineborsten bespickt. Nebst dem ältesten Exemplar beinhaltet der Koffer rund 60 weitere Zahnbürstchen, die das Familienunternehmen seit der Gründung im Jahr 1887 produziert hat.

Heute verlassen täglich über eine Million Zahnbürsten die Produktionsstätten der «Bürschti» im luzernischen Dorf Triengen, an der Grenze zum Kanton Aargau. Aber nur ein kleiner Teil davon landet später in den Schweizer Regalen. 95 Prozent der Zahnbürsten gehen ins Ausland, vor allem nach Westeuropa und Nordamerika.

Exportgeschäft ist für Trisa extrem wichtig

Damit ist Trisa ein typisches Schweizer Exportunternehmen, das mit seinen Produkten weltweit erfolgreich ist. «Würden wir uns nur auf den Heimmarkt konzentrieren, wäre der Markt rasch gesättigt», sagt der 50-jährige Firmenchef. Denn hierzulande werden pro Jahr rund 20 Millionen Stück verkauft: «Darum ist das Exportgeschäft für uns so wichtig.»

Das zeigen die Zahlen, die das Familienunternehmen heute bekannt gibt: Mit 255,2 Millionen Franken konnte die Trisa Gruppe im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz erwirtschaften, davon stammen 166,2 Millionen (+15,5 Prozent) aus dem Exportgeschäft. Doch wie soll es nun weitergehen, knapp vier Monate nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro-Mindestkurs aufgehoben hat?

Trisa geht in diesem Jahr von einem «währungsbedingten Umsatzrückgang aus»

«Der Entscheid war für uns ein Paukenschlag», sagt Adrian Pfenniger, der das Geschäft gemeinsam mit seinem Bruder Philipp in vierter Generation führt. Trisa gehe in diesem Jahr von einem «währungsbedingten Umsatzrückgang aus». Rasch mussten die Brüder auf den starken Franken reagieren: Das Budget wurde revidiert, das Gespräch mit den Kunden gesucht, den Fokus auf neue Produkte gesetzt. «Was heute ein Innovationsprojekt ist, ist der Umsatz von morgen», so Marketingleiter Christian Wipfli.

Neue Produkte geben der Firma Auftrieb

Ein Blick auf die Geschäftszahlen zeigt: 2014 machte der Anteil Produkte, die vor weniger als drei Jahren auf den Markt gebracht wurden, 27 Prozent des Gesamtumsatzes aus. «Es wäre jetzt falsch, diesen Treiber zu bremsen», fügt Pfenniger hinzu.

«Das Bewusstsein für Mundpflege nimmt stark zu.»

Adrian Pfenniger, Trisa-Chef

Auch eine Produktivitätssteigerung soll helfen, Kosten zu sparen. Diese will Trisa mit der bevorstehenden Inbetriebnahme des 15 Millionen Franken teuren vollautomatisierten Hochregallagers in Triengen erreichen. Überdies ist der Familienbetrieb daran, neue Märkte zu erschliessen, etwa in Laos, Myanmar, Usbekistan und Kasachstan. Man sei heute in rund 70 Ländern tätig, «künftig wollen wir uns weiter internationalisieren», sagt der Firmenchef. Das Potenzial, neue Kunden zu gewinnen, sei vorhanden: «Das Bewusstsein für Mundpflege nimmt stark zu.»

Mitarbeiter sind Aktionäre

Die ergriffenen Massnahmen hätten auf die rund 1200 Mitarbeitenden vorerst keinen Einfluss, beteuern die Verantwortlichen im Gespräch. Die Zahl werde weder zu- noch abnehmen, sondern konstant bleiben. Denn: «Das Personal trägt bedeutend zum Erfolg bei», so Pfenniger. Damit spricht er die Tatsache an, dass alle Mitarbeitenden gleichzeitig auch Mitunternehmer sind. 30 Prozent der Trisa-Aktien gehören dem Personal, die wiederum die Hälfte der Mitglieder des Verwaltungsrats stellen.

«Künftig wollen wir uns weiter internationalisieren.»

Die Mitarbeitenden erhalten nicht nur Dividenden, sondern auch einen finanziellen Zustupf in Form einer Erfolgsbeteiligung, monatlich und am Jahresende – dies, seit 1964. Die Entwicklung von Umsatz und Betriebsertrag sowie die Nachhaltigkeit der Ergebnisse bestimmt die Höhe der Erfolgsbeteiligung. Dieses partizipative Managementmodell werde Trisa helfen, die Währungskrise zu durchstehen, ist Pfenniger überzeugt.

Erbschafssteuer würde Trisa stark belasten

Nebst dem starken Franken bereitet dem Chef auch die bevorstehende Abstimmung über die Einführung einer Erbschaftssteuer Sorgen: «Das wäre ein Eigentor.» Die Initiative bedrohe die Weiterexistenz tausender Familienunternehmen. «Sie sind das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft.» Die rund 240 000 Familienbetriebe hätten schon mit genügend Herausforderungen zu kämpfen. Er sehe nicht ein, warum diese zusätzlich belastet werden sollten.

Artikel erschienen am 7. Mai 2015 in der Aargauer Zeitung/Nordwestschweiz

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