Die Taschen aus rezyklierten Lastwagenplanen sind auf der ganzen Welt bekannt, photo taken by cesTaschenhersteller Freitag musste letztes Jahr erstmals Leute entlassen. Jetzt spürt das Unternehmen auch den starken Franken. Höhere Preise liegen in der Luft. Sicher ist, dass die Effizienz gesteigert werden soll.

Ob in Berlin, Schanghai, Tokio oder Zürich, die Produkte der Zürcher Taschenherstellerin Freitag sind auf der ganzen Welt erhältlich. Nachdem es mit den angesagten Taschen jahrelang nur aufwärtsging, hat die Erfolgsgeschichte jüngst einen Dämpfer erhalten: 2014 musste Freitag erstmals aus wirtschaftlichen Gründen Mitarbeiter entlassen.

Die Mode ist schnelllebig geworden. Neue Trends, neue Mitbewerber sind aufgekommen. «Die Umstände haben sich in den Jahren völlig verändert. Das Umfeld ist anspruchsvoller geworden», sagt Markus Freitag, der gemeinsam mit seinem Bruder Daniel das Unternehmen vor 22 Jahren gegründet hat.

Brüder lancierten Taschen-Trend

Markus Freitag empfängt im lichtdurchfluteten Büro des 7500 Quadratmeter grossen Hauptquartiers in Zürich Oerlikon. In den Produktionshallen zwei Stockwerke weiter unten werden die Lastwagenplanen zurechtgeschnitten. Freitag sitzt am Tisch, nimmt einen Schluck Wasser, atmet ruhig ein und sagt: «Mit Glück und Können kann man einen Trend lancieren.» Diesen über eine so lange Zeit aufrechtzuerhalten, sei aber eine Herausforderung.

Wie geht es jetzt weiter, nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses? «Der starke Franken ist ärgerlich», so Freitag. Statt in Innovationen oder Neueröffnungen zu fliessen, werde das Geld nun von der Währung weggefressen. Seit dem Umzug in das neue Hauptquartier 2011 habe man die Effizienz jedoch steigern und Kosten sparen können.

Als Beispiel nennt Freitag die Wäscherei: Fast doppelt so viele Planen haben in den neuen Maschinen Platz. Zudem wird nicht mehr mit Tumbler, sondern mit einem energieeffizienten Trocknungssystem gearbeitet.

Erfolg kam ungeahnt

Dass sie mit ihren Taschen auf einen grünen Zweig kommen würden, hätten Daniel und Markus Freitag 1993 nicht gedacht. In jenem Jahr entwickeln sie in ihrer Zürcher Wohnung die erste Tasche aus gebrauchten Lastwagenplanen, Fahrradschläuchen und Autogurten.

Die Taschen werden Kult: Freitag wächst zwischen 15 und 20 Prozent pro Jahr, erweitert die Produktepalette, eröffnet eigene Läden, geht mit 460 Verkaufshändlern weltweit Partnerschaften ein. Heute beschäftigt das Familienunternehmen rund 150 Mitarbeitende.

«Preisanpassungen liegen aber jedes Jahr in der Luft.»

Markus Freitag, Gründer Freitag Lab AG

Markus Freitag spricht bedacht, lächelt immer wieder. Er strahlt Ruhe aus. Es scheint, als würden ihm die vergangenen Ereignisse keine Sorgen bereiten. Die Freitag-Brüder haben sich dennoch Gedanken gemacht, wie sie auf den Wachstumspfad zurückfinden und den Währungsschock dämpfen wollen. Dies gemeinsam mit Geschäftsführer Hans Häfliger, der im April 2014 auf Monika Walser gefolgt ist. Mit Walser hat Freitag in asiatischen Ländern erfolgreich expandiert. Heute, in einer Phase der Konsolidierung, brauche Freitag jedoch Unterstützung von einer Person wie Häfliger, erklärt Freitag den Wechsel.

Preisgrenze beinahe erreicht

Konkrete Massnahmen wurden nach dem Frankenschock bislang nicht getroffen. Weder Stellenabbau, Verlagerung ins Ausland noch Preiserhöhungen. «Preisanpassungen liegen aber jedes Jahr in der Luft», so Freitag. Es sei jedoch schwierig, diese vorzunehmen. Die Taschenherstellerin habe sich zwar in einem höheren Segment etablieren können. Trotzdem sei Freitag nicht in der Lage, irgendwelche Fantasiepreise zu setzen. «Unsere Kunden sind bis zu einem gewissen Punkt bereit, Geld auszugeben.» Diese Grenze sei mit den heutigen Preisen beinahe erreicht.

Potenzial zum Einsparen ist da

Braucht es nicht mehr, um das Wachstum wieder anzukurbeln? «Wir glauben, dass wir noch effizienter arbeiten können», sagt Freitag. Potenzial zum Einsparen sieht er zum Beispiel bei der Verarbeitung, wo vieles noch von Hand angefertigt wird. Man müsse sich fragen, ob man sich das weiterhin leisten könne.

Noch vor zwei Jahren haben sich die Freitag-Brüder vorgenommen, wie bis anhin zwischen 15 und 20 Prozent zu wachsen. Davon sind sie heute abgekommen: Heuer wollen sie schwarze Zahlen schreiben, den Heimmarkt zurückerobern, Ausschau nach neuen Verkaufsstandorten im Ausland halten.

Abbaubare Textilien sollen Taschen wieder in machen

Freitag setzt ein Stück weit auch auf das Prinzip Hoffnung: «Wir sind überzeugt, dass wir noch Marktanteile gewinnen können.» Dies soll unter anderem durch Innovationen geschehen; neue Schnittmuster, neue Verarbeitungsmethoden, neue Produktlinien. Ein Beispiel für Letzteres ist F-abric. Textilien aus abbaubaren und selbst entwickelten Fasern. «Sehen die Kunden, dass sich Freitag weiterentwickelt, werden auch die Taschen wieder in», ist er überzeugt.

Artikel erschienen am 4. April 2015 in der Aargauer Zeitung/Nordwestschweiz

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