Die Firma Uepaa hat es dem "Murmeli" nachgemacht, Logo Handout by UepaaDie Jungunternehmer-Szene in der Schweiz floriert: Doch wie geht es den Startups nach der Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses? Ein Besuch beim Zürcher Startup «Uepaa».

Machen wir es wie die Murmeltiere, dachten sich Mathias Haussmann und Franck Legendre: Die Jungunternehmer brachten im Sommer 2013 die Outdoor-Sicherheits-App «Uepaa» auf den Markt. Diese erlaubt die Alarmierung der Rettung von überall – selbst aus einem Funkloch. Gerät ein Wanderer, Berggänger oder jemand, der alleine arbeitet, in Not, sucht sich der Alarm mittels Peer-to-Peer-Technik über andere Handys den Weg zurück ins Funknetz.

Vereinfacht ausgedrückt, funktioniert dies wie bei den Murmeltieren, die sich bei Gefahr gegenseitig warnen. Bis heute hätten rund 60 000 Nutzer die «Uepaa»-App heruntergeladen, sagt Haussmann: «Etwa 800-mal wurde in der Betriebszentrale der Alarm ausgelöst, bei zwölf Menschen wurde eine Rettung ausgelöst.»

Investoren sind nicht abgesprungen

Zwei Jahre vor der Lancierung machte sich Mathias Haussmann auf die Suche nach Investoren. «Ich wusste nicht, wie die Startup-Szene aussieht», so der Ingenieur und Gründer der Uepaa AG. Bei «venture lab», einem Förderungsprogramm, fand er Rat und konnte mit privaten Investoren Kontakte knüpfen.

Heute ist die App neben der Schweiz auch in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und England erhältlich. «Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses haben wir nicht zu spüren bekommen», sagt Haussmann. Auch die ausschliesslich privaten Investoren des Softwareunternehmens seien nicht zurückgekrebst. Jetzt wollen die beiden Jungunternehmer die «Murmeli»-Technik weiter auf dem Markt verbreiten.

Uepaa ist ein Beispiel für die innovative Schweizer Jungunternehmer-Szene.

«Die Qualität ist extrem hoch», sagt Simon May, Ökonom und Geschäftsleitungsmitglied des Instituts für Jungunternehmen (IFJ) in St. Gallen. In den letzten zehn Jahren sei die Startup-Szene stark gewachsen.

Blickt man auf die neusten Zahlen des Schweizerischen Gläubigerverbands Creditreform, stellt sich allerdings die Frage, ob der starke Franken die florierende Jungunternehmer-Szene bremst. Denn: Im Januar und Februar wurden 6508 Firmen neu ins Handelsregister eingetragen, 6,9 Prozent weniger als 2014.

Nicht alle Neugründungen sind effektiv Jungunternehmen

Die Zahl sei jedoch wenig aufschlussreich, sagt May. Denn bei den statistischen Erhebungen der Neueintragungen werde kein Unterschied zwischen Jungunternehmen, Vereinen, Zweigniederlassungen, Genossenschaften oder Unternehmen gemacht, die zum Beispiel aus steuerlichen Gründen eingetragen werden. «Nur rund die Hälfte aller Neueintragungen sind effektiv Jungunternehmen», sagt er. Laut Creditreform sei es noch zu früh, um konkrete Prognosen erstellen zu können. Die Auswirkungen der Mindestkursaufhebung würden sich erst mittelfristig zeigen.

Für Jean-Pierre Vuilleumier, Managing Director der privaten Vereinigung CTI Invest, ist klar: «Der starke Franken hat sicher Einfluss auf ausländische Investoren». Er sagt aber auch, dass der Franken-Schock politisch eine Chance sein könnte, das Bewusstsein zu wecken und Bewegung in die Finanzierung von Startups zu bringen.

Viel Zeit geht bei der Suche nach Investoren verloren

Denn genau dort liege das Problem: Die Schweiz habe – was Hightech-Startups angehe – allgemein ein chronisches Finanzierungsproblem, vor allem, wenn es sich um die ersten ein bis fünf Millionen handle. Bei der Frühfinanzierung würden Firmen sehr viel Zeit mit der Suche nach Investoren verlieren, sagt Vuilleumier: «Die Innovationsgeschwindigkeit ist hoch, dadurch verlieren sie wertvolle Zeit beim Markteintritt.»

Auch die Folgefinanzierung gestalte sich für Hightech-Startups schwierig, so Vuilleumier. Für Beträge zwischen zehn und zwanzig Millionen hätten sie kaum Chancen, in der Schweiz Investoren zu finden. Deshalb würden Hightech-Startups versuchen, Geldgeber im Ausland aufzuspüren. «Die Firmen werden dann auch aufgekauft, mögliche Wertschöpfung geht verloren», so der Managing Director von CTI Invest.

Finanzierung funktioniert

Was die Finanzierung angeht, ist Simon May anderer Meinung: «Wir spüren nicht, dass es Schwierigkeiten gibt.» Dies gelte sowohl für dienstleistungs- und personenorientierte Startups, die sich etwa durch Eigenmittel, Banken, Bürgschaftsgenossenschaften oder Stiftungen finanzieren, noch für ambitiöse Jungunternehmen, die durch Risikokapital oder durch sogenannte «Business-Angels» zu Geld kommen. «Es sind ausreichend Finanzierungsangebote vorhanden», sagt May.

Artikel erschienen am 16. März 2015 in der Aargauer Zeitung/Nordwestschweiz

Share Button