Angelica Weiss, zvgAngelica Weiss ist zurzeit an der Rallye Dakar als Team-Assistentin im Einsatz. In den zwei Renn-Wochen will sie möglichst viele Erfahrungen sammeln. Denn: 2016 will sie auf dem Quad selbst mitfahren.

Die Wüstengegenden, das grosse Nichts. Das ist das, was Angelica Weiss fasziniert. Fährt die Leutwilerin zusätzlich auf einem Quad, einem vierrädrigen Geländefahrzeug, durch die von Steinen, Sand oder Erde bedeckte Landschaft, ist ihr Glücksgefühl perfekt. «Der Motorsport interessiert mich seit meiner Kindheit», sagt Angelica Weiss. Bereits als kleines Mädchen liess sie sich vor Autos ablichten, verfolgte die Formel 1 und weitere Motorsport-Rennen am Fernsehen.

Insbesondere die Rallyes, also Wettkämpfe, die über mehrere Etappen hinweg auf normalen Strassen, Feld- und Waldwegen ausgestragen werden, haben es der 52-Jährigen angetan. Nicht verwunderlich, dass ihr Lebenstraum eine Teilnahme an der Rallye Dakar ist (siehe Box unten).

Im Team-Lastwagen unterwegs

Jetzt ist sie ihrem Traum einen Schritt nähergekommen: Angelica Weiss darf dem Team des argentinischen Quad-Fahrers Daniel Mazzucco an der Rallye Dakar assistieren. Am vergangenen Sonntag ist das Rennen gestartet, seither fährt sie im Team-Lastwagen mit und hilft im Fahrerlager. Während den zwei Renn-Wochen will sie so viele Erfahrungen wie möglich sammeln.

Ihre Hauptaufgabe ist es den Ablauf der Fahrer zu studieren und von ihnen zu lernen. «Mein Ziel ist, im nächsten Jahr als Quad-Fahrerin dabei zu sein», sagt die Leutwilerin, die seit über 10 Jahren Inhaberin des Reiseunternehmens Argentina Travel ist.

«Der Motorsport interessiert mich seit meiner Kindheit.»

Angelica Weiss, Quad-Fahrerin

Sie mag es, alleine auf der Route zu fahren, auf sich gestellt zu sein und nicht im direkten Kampf mit der Konkurrenz auf einer Rennstrecke Runden zu drehen. «Die Kombination von Quad und lauter Nichts. Das ist meine Leidenschaft», sagt sie lachend. Damit sie sich ihren Lebenstraum erfüllen kann, muss sie sich qualifizieren: In den nächsten Monaten will sie in Argentinien und Paraguay drei Rennen bestreiten und Sponsoren finden.

Will sie im nächsten Jahr an der Rallye Dakar teilnehmen, reicht es jedoch nicht aus, wenn sich Angelica Weiss unter den Besten platziert. «Auch die menschlichen Faktoren sind entscheidend», sagt sie. Denn das Unternehmen, das die Rallye organisiert, legt ebenso Wert auf das soziale Verhalten der Fahrer: «Die ‹Dakar› ist wie eine grosse Familie. Man schaut zueinander und hilft sich gegenseitig.»

Falls jemand in den Qualifikationsrennen an die Spitze fahre aber vom Charakter her nicht in die «Dakar-Familie» passe, dann könne das Unternehmen dem Fahrer eine Teilnahme verweigern.

Höchstleistungen sind gefragt

Obwohl die Hürde für die Qualifikation hoch ist, bereitet sie sich seit einem Jahr auf die Rallye vor. Rad fahren, Krafttraining oder Massagen stehen bei ihr auf dem Programm. Auch einen Fahr- und Navigationskurs bei Daniel Mazzucco in Argentinien hat sie absolviert, das Rallye-Umfeld getestet. Während den Etappen, jede zwischen 600 und 1000 Kilometer lang, müssen die Fahrer sowohl navigieren als auch tanken, trinken und essen. «Das Rennen verlangt Höchstleistungen», sagt sie. Weniger als die Hälfte würden das Ziel erreichen, eine seriöse Vorbereitung sei unumgänglich.

Und was sagt ihr Ehemann zum Unterfangen? Er stehe voll und ganz auf ihrer Seite, sagt Angelica Weiss. «Das einzige was er verlangt, ist, dass ich meinen Kopf bei der Sache habe.»

Rallye Dakar: Rund 660 Teilnehmer aus über 50 Ländern haben sich für die Rallye Dakar 2015 qualifiziert. Es ist die 37. Austragung des härtesten und berühmtesten Geländerennens der Welt, das erste wurde im Dezember 1978 durchgeführt. Die diesjährige Rallye-Strecke führt durch Argentinien, Bolivien und Chile. Insgesamt sind 9000 Kilometer zurückzulegen, einen Grossteil davon auf Wüstenboden. Gefahren wird in den Kategorien Auto, Motorrad, Quad und Truck. 13 Etappen müssen die Teilnehmer innerhalb eines festgesetzten Zeitlimits bewältigen – dabei steht nur ein Ruhetag für Schlaf und Reparatur zu. Die Rallye Dakar ist ein Publikumsmagnet: Im vergangenen Jahr verfolgten fast vier Millionen Zuschauer das Rennen. (ces)

Artikel erschienen am 7. Januar 2015 in der Aargauer Zeitung

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