Die Tür zur erfolgreichen Talentschmiede der Schweiz befindet sich auf dem Hetex-Areal: Im regionalen Leistungszentrum trainieren rund 110 Kunstturnerinnen und Kunstturner.

Auf dem Hetex-Areal in Niederlenz steht sie. Die Halle mit der grauen, unscheinbaren Tür. Versteckt hinter den Gebäuden, in denen Möbel, Küchen und Weine zu kaufen sind. «Zutritt für Unbefugte verboten», steht auf einem Schild geschrieben. Nichts deutet darauf hin, dass sich hinter dieser Tür die erfolgreiche Talentschmiede der Schweiz verbirgt: das regionale Leistungszentrum der Kunstturnerinnen und Kunstturner (RLZ).

1998 wurde das Aargauer Turnzentrum von vier Trägerverbänden gegründet, in den Jahren konnte es sich auf nationaler Ebene erfolgreich positionieren. Kein anderer Kanton holte in Serie mehr Schweizer-Meister-Titel in der Teamwertung, siebenmal die Frauen, viermal die Herren. Auch auf der internationalen Bühne ist der Aargau immer wieder präsent: Lucas Fischer oder Jessica Diacci sind einige der aktuellen Leistungsträger, die ihre Karriere im RLZ in Niederlenz begonnen haben.

Bis 26 Stunden pro Woche Training

Die graue, unscheinbare Tür. Sie führt zur 1500 Quadratmeter grossen lichtdurchtfluteten Trainingshalle. Hier trainieren rund 110 Kunstturnerinnen und Kunstturnen bis zu 26 Stunden pro Woche. Es ist 15 Uhr. Weisses Pulver liegt in der Luft. Weisses Pulver klebt an den zierlichen aber muskulösen Körpern der Athletinnen: Magnesia. Eingerieben auf die Handflächen verhilft es zu einem sicheren Griff an den Geräten — so auch am Stufenbarren. Eine letzte Riesenfelge mit einem Salto als Abgang, dann heisst es für die Kunstturnerinnen an diesem Nachmittag: Wechsel zum Schwebebalken.

«Wir wollen, dass unsere Athleten im Elite-Bereich Erfolg haben.»

Nikolay Maslennikov, Cheftrainer der Kunstturner

Sie verteilen sich auf den vier Geräten, die in der Nähe des Eingangs der Turnhalle aufgestellt sind. Auf zehn Zentimetern Breite und fünf Metern Länge führen sie Flickflacks, Rückwärtssalti und Pirouetten aus. Mit einem scharfen Blick beobachtet Viktorija Gojkovic die Elemente. Sie gehört, genauso wie ihr Ehemann Renato sowie Nikolay und Sergey Maslennikov, zum Trainerstab, der dazu beigetragen hat, dass in Niederlenz Talente wie Diacci und Fischer entspringen konnten.

Trainerstab mit viel Erfahrung

Zum Erfolg beigetragen, sagt David Huser, Chef Spitzensport beim Aargauer Turnverband, habe – nebst einer soliden Arbeit in den einzelnen Vereinen – auch die Erfahrung der RLZ-Cheftrainer: «Renato und Nikolay wissen, was es braucht, um sich an der Spitze zu etablieren.» Denn auf kurzfristigen Ruhm und eine rasante Karriere ist man im Zentrum nicht aus. «Wir wollen, dass unsere Athleten im Elite-Bereich Erfolg haben», sagt Nikolay Maslennikov, Cheftrainer der Kunstturner.

In Niederlenz wächst eine sehr starke Generation heran

Im Zentrum bildet man in der Regel bis zur Junioren-Stufe aus. Erfüllt eine Athletin die Anforderungen für das Schweizer Elite-Kader, wechselt sie nach Magglingen in das Verbandszentrum des Schweizerischen Turnverbands: Aktuell ist der Aargau mit zwei Kunstturnerinnen und fünf Kunstturnern vertreten – so stark wie kein anderer Kanton.

«Wir arbeiten seit vielen Jahren sehr gut zusammen», sagt Nikolay Maslennikov. Damit spricht er die Tatsache an, dass im Aargauer Turnzentrum sowohl die Kunstturnerinnen als auch die Kunstturner in derselben Halle trainieren. «Das ist speziell», ergänzt Spitzensport-Chef David Huser. Werde doch in den meisten regionalen Leistungszentren der Betrieb strikt getrennt. «Bei uns läuft er auf einem sehr hohen Niveau nebeneinander her», sagt Renato Gojkovic, Cheftrainer der Kunstturnerinnen.

Junioren-EM 2016 ist im Fokus

Es ist kurz nach 16 Uhr. Das Training der Athletinnen neigt sich dem Ende entgegen, die Einheit der Kunstturner steht an. Ob müde oder frisch, alle, die in der Halle ein- und ausgehen haben ein Ziel vor Augen: die Junioren-Europameisterschaft 2016 in Bern. Der Trainerstab ist überzeugt, dass der Aargau am Grossereignis punkten wird: «Es wächst eine starke Generation heran», sagt Renato Gojkovic. David Huser fügt augenzwinkernd an: «Auch Medaillen liegen drin.»

Artikel erschienen am 5. Dezember 2014 in der Aargauer Zeitung

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