Auf dem Bauernhof Fornholz in Seon arbeiten neu vier Satis-Bewohner – im nächsten Jahr sollen es mehr werden.

«Adler-Weg», «Meier-Wiese», «Weibel- Kräuter» und «Blumen-Garten» stehen auf Täfelchen rund um das bepflanzte Beet auf dem Landwirtschaftsbetrieb im Fornholz in Seon geschrieben. «Jeder hat sich hier verewigt», sagt Lucia Lanz, Geschäftsführerin der Stiftung Satis, lachend. Adler, Meier, Weibel und Blum sind vier von rund 90 Bewohnern, die in der Stiftung einen Ort zum Leben und Arbeiten gefunden haben (siehe separaten Text).

Seit Mai pflanzt die Gruppe auf dem Bauernhof der Familie Häfeli Gemüse, Beeren, Blumen sowie Kräuter an und kümmert sich um die Landschaftspflege. Das Gemüse, das die Bewohner ernten, wird sowohl in der Satis-Küche als auch von der Familie weiterverarbeitet.

Die Arbeit ist herausfordernd

Die Luft ist an diesem Morgen frisch, der Boden nass. Die Männer sind daran, Karotten und Randen zu ernten. Bewohner Weibel zieht am Karottengrün, wischt die Erde ab und trennt die Rübe ab. «Für mich ist die Arbeit auf dem Hof etwas Neues», sagt Weibel und legt die Rübe in eine Kiste. Zu Beginn sei es auch eine Herausforderung gewesen. Denn zuvor war Weibel, genau wie die Bewohner Meier und Blum, viele Jahre lang an einem der geschützten Arbeitsplätze innerhalb des Satis-Areals an der Oberdorfstrasse tätig. Nun arbeitet die Gruppe grösstenteils im Freien und geht viermal am Tag zu Fuss — für das Mittagessen kehrt sie zurück in die Stiftung — von den Wohneinheiten zum Bauernhof.

Ernten hilft, Psyche zu stärken

«Die Arbeit in der Natur steigert die Aufmerksamkeit der Bewohner», sagt Lucia Lanz, die langjährige Erfahrung in der Begleitung von psychisch beeinträchtigten Menschen hat. Denn diese Personen hätten oftmals Mühe, ihre Wahrnehmung mit der Realität vergleichen zu können. «Die körperliche Tätigkeit hilft, zu erden und die Psyche der Bewohner zu stärken», sagt die 48- Jährige. Die äussere Bewegung würde auch das Innere in Bewegung bringen: «Es ist eine andere Art der Medikation.» Zudem würden die Klienten durch den Kontakt mit der Hof-Familie einen Bezug zur Aussenwelt behalten.

«Die Arbeit in der Natur steigert die Aufmerksamkeit der Bewohner.»

Lucia Lanz, Stiftung Satis

Die Kiste füllt sich zunehmend mit Karotten. Die Bewohner Adler, Weibel und Blum sind eifrig am Ernten. «Ich bin ein Naturmensch», sagt Weibel und fügt an: «Mir gefällt die Arbeit. Denn hier kann ich auch die Kühe beobachten.» Weibels Kollege Adler knabbert an einer Karotte und sagt: «Schön ist auch, dass die Arbeit abwechslungsreich ist», sagt er. Adler hat den nach ihm benannten Steinweg angefertigt, der vom bepflanzten Beet auf den Terrassenplatz führt. «So etwas habe ich zuvor noch nie gemacht», sagt er. Mit der Zeit sei es jedoch wie von alleine gegangen.

Zusammenarbeit mit Bauernfamilie läuft gut

Seit Mai haben die vier Männer gemeinsam mit Gruppenleiter und Satis-Mitarbeiter Jürg Felix einen Aufenthaltsraum, ein Aussenbereich mit Feuerstelle sowie ein grosses Beet aufgebaut, in dem verschiedenste Gemüse, Beeren, Blumen und Kräuter wachsen. «Ich bin beeindruckt, wie schnell sie alles aufgebaut haben», sagt Stefan Hermanek, Bereichsleiter Arbeit der Stiftung Satis. Auch sei er erfreut, wie gut die Zusammenarbeit mit der Familie Häfeli klappe.

Urs Häfeli, der den Bauernhof gemeinsam mit seiner Frau, seinem Sohn und einem Lehrling betreibt, tauscht sich regelmässig mit Gruppenleiter Felix aus. Unter anderem darüber, welche Arbeiten sich im agronomischen Bereich eignen könnten. «Zu Beginn zeigten sich die Bewohner zurückhaltend», sagt Landwirt Häfeli und fügt an: «Aber jetzt haben sie Freude und sind gut integriert.» Zu sehen, was sie alles aufgebaut hätten, würde sie motivieren.

Weiter Arbeitsplätze auf dem Hof sind geplant

Nach vier Monaten hat die Männergruppe die Infrastruktur bereits grösstenteils angelegt und sich auf dem Hof eingerichtet. Bis im Frühjahr 2015 sollen weitere Kulturen angepflanzt und drei weitere Arbeitsplätze für die Satis-Bewohner geschaffen werden. Dass von der Zusammenarbeit sowohl die Klienten der Stiftung als auch der Landwirtschaftsbetrieb im Fornholz profitieren, darüber sind sich an diesem Morgen alle einig. «Das ist eine gute Lösung», sagen Stefan Hermanek, Lucia Lanz und Urs Häfeli unisono.

Ort zum Leben und Wohnen für psychisch beeinträchtigte Menschen: Die Stiftung Satis in Seon betreut Männer und Frauen mit psychischen und sozialen Beeinträchtigungen. Ein Grossteil der Klienten kann nicht mehr in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden und ist langfristig auf einen geschützten Platz im zweiten oder dritten Arbeitsmarkt angewiesen. Die Institution bietet individuelle Wohnkonzepte, geschützte Arbeits- sowie Beschäftigungsplätze an. Ziel des Satis ist es, die Bewohner zu einer bestmögli- chen Selbstständigkeit sowohl in Arbeits- als auch in Wohnbelangen zu unterstützen. Unter anderem werden interne Tätigkeiten in den Bereichen Küche und Wäscherei, Umgebungspflege,

Holzwerkstatt, Kreativatelier und Industrie offeriert. Seit Mai dieses Jahres haben die Bewohner ein weiteres Tagesstrukturangebot auf dem Landwirtschaftsbetrieb der Familie Häfeli in Seon. Die vierköpfige Gruppe wird von Jürg Felix, einem ausgebildeten Demeter-Landwirt geleitet. Felix ist einer von rund 60 Mitarbeitern der Stiftung. (ces)

Artikel erschienen am 26. September 2014 in der Aargauer Zeitung

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