André FimianWährend André Fimian in den 80er- und 90er-Jahren in den grössten Stadien Europas Spitzenfussball spielte, reicht er heute als Trainer seine Philosophie eines modernen Fussballs den Jungen weiter – davon profitiert auch der FC Grenchen.

3. November 1987. André Fimian sitzt im Mannschaftsbus des BSC Young Boys. Der Weg führt von Oberhofen Thun ins Stade de Suisse zum Achtelfinal des Europacups der Cupsieger. Der linke Aussenverteidiger ist nervös, hat kalte Schweisshände aber er fühlt sich gut. Innerlich weiss er, dass etwas Spezielles kommen wird. Er wärmt sich konzentriert und die Ruhe bewahrend auf. Er hat die Aufgabe den einzigen Nationalmannschaftsspieler des FC Den Haag zu decken, sowie die Anweisung, nicht über die Mittelfeldlinie zu gehen.

In der 68. Minute kommt es zum Freistoss. «Geh doch», ruft Innenverteidiger Martin Weber. Der 23-Jährige wittert seine Chance und passiert die Feldmitte. Am Rand des Spielfeldes beginnt der Trainer vor Wut zu toben. Unbeirrt schiesst «Fimi» das einzige Tor des Abends und bringt die Young Boys in die Viertelfinals. «Nach diesem Tor wurde mir nie wieder gesagt, dass ich nicht über die Mitte darf», lacht er heute rückblickend.

In der ersten NLA-Saison zum Meistertitel

Dass der Kriegstetter schon immer eine aussergewöhnliche Begabung für Fussball hatte, war auch dem damaligen GC Trainer Timo Konietzka bewusst, der ihn 1981 von den B-Junioren in die 1. Mannschaft holte. Mit seinen 16 Jahren war er nicht nur der Jüngste, sondern auch der Einzige, der nicht A-Nationalmannschaftsspieler war. Prompt gewann er in seiner ersten NLA-Saison seinen ersten Meistertitel. In der Folgesaison feierte der Jungster sogar das Double mit Meister- und Cupsieg.

Dass er als Ausnahmetalent galt, dessen war er sich nie richtig bewusst: «Ich wollte einfach Fussball spielen, frisch von der Leber weg. Das war mir wichtig. Der Rest kam von alleine.» Unter GC-Trainer Hennes Weisweiler und später unter St. Gallen-Trainer Helmuth Johannsen wuchs er zu einem erfahrenen Fussballer heran: «Beide haben mich stark geprägt. Ich wurde gefordert und habe gelernt zu beissen», erinnert sich Fimian.

«Ich wollte einfach Fussball spielen, frisch von der Leber weg. Das war mir wichtig. Der Rest kam von alleine.»

André Fimian, ehemaliger Fussballprofi

1986 entschloss er sich, im Solothurnischen zum Analytiker und Programmierer auszubilden und für den FC Grenchen zu spielen. Und spielte gut. Ein Jahr später klopfte der BSC Young Boys an die Tür. Vier Jahre und viele Erfahrungen reicher, beendete der 26-Jährige die Aktivkarriere.

Er weiss, was die Jungen brauchen

Fimian setzte seine Fussballkarriere als Trainer fort. Gleich bei seinem ersten Engagement feierte er mit dem SC Bümpliz 78 den Aufstieg in die NLB. Weitere Stationen waren Laufen, Sursee und Zofingen, bevor er sich der Ausbildung von Junioren in der Region Solothurn widmete.

Seit 2012 amtet er nun als Trainer des U-17 Teams FC Luzern-SC Kriens – dem aktuellen Tabellenführer – sowie technischer Nachwuchsleiter des FC Grenchen. Und er weiss genau was junge Spieler brauchen: «Sie sollen ein Spiel vor allem modern, variabel und unberechenbar gestalten können. Dafür braucht es ein gutes Wahrnehmungsvermögen», erklärt André Fimian. Mit Laufschule, Ballfeeling, Kognitions-, Koordinations- und Technikübungen begleitet er die Jungen in der Entwicklung. Damit auch diese – ganz nach Vorbild des Trainers – in Stadien wie Wembley oder San Siro ihr Bestes zeigen können.

Artikel erschienen am 14. Februar 2013 in der Solothurner Zeitung

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