Kundin Doris Zürcher probiert zum ersten Mal das Self-ScanningIn der Migros im Löwenzentrum in Dietikon wurden drei traditionelle Kassen durch neun Self-Service-Kassen ersetzt – was wurde aus dem Personal?

Es piepst von allen Seiten, an den Kassen in der Migros im Löwenzentrum in Dietikon reiht sich ein Einkaufswagen nach dem anderen. Im Self-Scanning- und Self-Checkout-Bereich, wo Kundinnen und Kunden ihre Waren selber einscannen und bezahlen können, steht Doris Zürcher gemeinsam mit Tochter Leonie. An der Zahlstation hilft Verkaufsstellenleiter Beat Wernli, ihren Einkauf abzuschliessen. Es ist das erste Mal, dass Doris Zürcher vom Self-Service-System «Subito» Gebrauch macht – obwohl sie diese Migros-Filiale regelmässig besucht. Heute habe sie einmal Zeit gehabt, das Self-Scanning auszutesten. «Das Einkaufen war lässig. Ich habe es gern gemacht», sagt die Dietikerin.

Vor drei Jahren hat die Migros im Neumarkt in Zürich Altstetten das Self-Service-System eingeführt; seit zwei Monaten kann auch im Löwenzentrum selbstständig und bargeldlos bezahlt werden. «Es ist mir wichtig, dass unsere Kundinnen und Kunden in kürzester Zeit komfortabel einkaufen und bezahlen können», sagt Verkaufsstellenleiter Wernli. Dank den neuen Self-Service-Kassen sei es möglich, einen besseren Service zu bieten – vor allem über Mittag, zu Stosszeiten oder vor und nach den Feiertagen.

Von acht traditionellen Kassen sind fünf geblieben

Wer in Eile sei und nur wenige Artikel habe, könne an den Self-Check-out-Kassen schnell und einfach bezahlen, wer eine Cumulus-Karte besitze und einen grossen Einkauf tätige, sei mit dem Self-Scanning am besten bedient: Die Artikel könnten während des Einkaufens eingelesen und direkt in die Tasche gelegt werden. Den Kundinnen und Kunden stehen nun insgesamt vier Self-Check-out- und fünf Self-Scanning-Kassen zur Verfügung; von den acht traditionellen Kassen sind nach Einführung des Systems fünf geblieben.

«Das Einkaufen war lässig. Ich habe es gern gemacht.»

Doris Zürcher, Migros-Kundin

Personal sei nicht abgebaut worden, sagt Wernli, denn die neuen Self-Service-Kassen müssten gut betreut werden. Andreas Reinhart, Mediensprecher der Migros Zürich, sagt, dass das System nicht eingeführt worden sei, um Personalkosten zu senken: «Es ist ein Dienst, den wir den Kundinnen und Kunden zusätzlich anbieten und der nicht auf Kosten des Personals geht.» Dies entspreche der sozialen Idee der Migros. Neben der Filiale im Löwenzentrum bietet auch die Migros im Shoppi Tivoli in Spreitenbach das Self-Service-System «Subito» an. Das wird vorläufig so bleiben, das Detailhandelsunternehmen sieht nicht vor, weitere Filialen im Limmattal mit den Self-Service-Kassen auszurüsten.

Ikea hat Selbstbedienungskassen wieder aus den Läden entfernt

Doch nicht bei allen Unternehmen kommt das Self-Checkout-System gut an – zum Beispiel bei Ikea USA: Der schwedische Möbelriese hat die Selbstbedienungskassen aus den Läden wieder entfernt. Ikea bietet in den USA nur noch traditionelle Kassen samt Personal an. Dies, weil ein Grossteil der Kundschaft mit dem Scannen der Möbelpakete nicht zurechtkam oder sich mit den Kreditkarten an den Bezahl-Stationen abplagte. In der Schweiz können Ikea-Kundinnen und -Kunden seit 2008 ihre Waren an den Selbstbedienungskassen bezahlen; das Self-Checkout-System kommt gut an. «Ein Drittel der Kundinnen und Kunden nutzen das Angebot, die Tendenz ist steigend», sagt Ikea-Mediensprecherin Virginia Calisi. Die Selbstbedienungskassen böten eine höhere Flexibilität, «unsere Kundschaft schätzt das sehr», sagt Calisi. Es sei auch nicht geplant, das Angebot abzubauen.

Bei der Migros im Löwenzentrum habe das Self-Service-System «grossen Anklang gefunden», sagt Verkaufsstellenleiter Wernli. Die verschiedenen Kundentypen würden den Service schätzen; von Schülerinnen und Schülern, die sich am Mittag rasch verpflegen möchten, Familien, bis hin zu älteren Menschen, die ihren Einkauf – auch mit Gehhilfe – bequem erledigen möchten.
Zu den Nutzerinnen gehört seit Neuem auch Doris Zürcher. Obwohl sie sich zuerst an das Self-Scanning etwas gewöhnen müsse, kann sie es sich gut vorstellen, den Einkauf auch in Zukunft mit dem Scanner zu erledigen. «Vor allem dann, wenn ich viele Leute an den Kassen stehen sehe. Bei mir muss es vielmals schnell gehen», sagt die Dietikerin.

Artikel erschienen am 6. Mai 2014 in der Limmattaler Zeitung

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